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Reizdarm, Durchfall & Verstopfungen

 

Flohsamenschalen bei Reizdarmsyndrom, Durchfall und Verstopfung

Studie zu Flohsamen beim Reizdarmsyndrom

In einer Studie des Julius Center for Health Sciences and Primary Care, University Medical Center Utrecht wurde untersucht, ob Flohsamen beziehungsweise Psyllium bei Reizdarmsyndrom helfen können.

Studienaufbau:

Patientengruppe 1:
10 g Psyllium/Flohsamen pro Tag, aufgeteilt auf zwei Einnahmen

Patientengruppe 2:
10 g Kleie pro Tag

Placebo-Gruppe:
10 g Reismehl pro Tag

Studiendauer:
12 Wochen

Ergebnis nach 3 Monaten:

Flohsamen-Gruppe:
Der Beschwerde-Score sank um 90 Punkte.

Kleie-Gruppe:
Der Beschwerde-Score sank um 58 Punkte.

Placebo-Gruppe:
Der Beschwerde-Score sank um 49 Punkte.

Fazit der Studie:
Flohsamen beziehungsweise Psyllium zeigten bei Reizdarmsyndrom einen besseren Effekt als Placebo. Kleie schnitt dagegen nicht klar besser ab als Placebo. (PubMed)

Wichtig:
Die Zahlen 90 und 58 bedeuten nicht „90 %“ und „58 %“. Es handelt sich um Punkte auf einem Beschwerde-Score. Diese Unterscheidung ist wichtig, damit die Aussage wissenschaftlich korrekt bleibt.


Warum helfen Flohsamenschalen beim Reizdarmsyndrom?

Flohsamenschalen enthalten lösliche Ballaststoffe. Diese können im Darm Wasser binden und eine gelartige Masse bilden. Dadurch wirken sie regulierend auf den Stuhl.

Das ist besonders interessant beim Reizdarmsyndrom, weil Betroffene sehr unterschiedliche Beschwerden haben können:

  • manche leiden vor allem unter Durchfall,

  • andere unter Verstopfung,

  • viele wechseln zwischen beidem,

  • häufig kommen Blähungen, Bauchschmerzen und ein empfindlicher Darm hinzu.

Flohsamenschalen wirken deshalb nicht einfach „gegen Durchfall“ oder „gegen Verstopfung“. Sie helfen eher dabei, die Stuhlkonsistenz zu normalisieren.

Bei Reizdarm empfehlen Leitlinien eher lösliche Ballaststoffe wie Psyllium beziehungsweise Flohsamenschalen. Unlösliche Ballaststoffe wie Weizenkleie können Beschwerden wie Blähungen, Druckgefühl oder Bauchschmerzen dagegen bei manchen Betroffenen verstärken. NICE empfiehlt bei Reizdarm ausdrücklich eher lösliche Ballaststoffe wie Ispaghula/Psyllium und rät von unlöslichen Ballaststoffen wie Kleie eher ab. (NICE)


Wirkung bei Durchfall

Bei Durchfall ist der Stuhl zu flüssig, weil zu viel Wasser im Darminhalt verbleibt oder weil der Darminhalt zu schnell weitertransportiert wird.

Flohsamenschalen können hier helfen, weil sie Wasser binden.

Das bedeutet:

  • Der Darminhalt wird eingedickt.

  • Der Stuhl wird besser geformt.

  • Die Darmpassage kann sich regulieren.

  • Der Stuhlgang wird für viele Betroffene kontrollierbarer.

Die gelartige Masse kann außerdem beruhigend auf die Darmschleimhaut wirken. Deshalb werden Flohsamenschalen häufig bei weichem Stuhl, wechselndem Stuhlgang und Reizdarmbeschwerden eingesetzt.


Wirkung bei Verstopfung

Bei Verstopfung ist der Stuhl oft zu hart, zu trocken oder wird zu langsam durch den Darm transportiert.

Flohsamenschalen können auch hier helfen, allerdings auf eine andere Weise als bei Durchfall.

Durch die Quellung der Schleimstoffe:

  • steigt das Stuhlvolumen,

  • wird mehr Wasser im Stuhl gehalten,

  • wird der Stuhl weicher,

  • wird der Stuhl gleitfähiger,

  • kann die Darmbewegung angeregt werden.

Das größere Stuhlvolumen übt einen sanften Reiz auf die Darmwand aus. Dadurch kann die natürliche Darmbewegung, die sogenannte Peristaltik, unterstützt werden. Die Entleerung fällt dadurch oft leichter und es ist weniger starkes Pressen nötig.


Warum sind Flohsamenschalen besser als Kleie?

Ballaststoff ist nicht gleich Ballaststoff.

Flohsamenschalen:
lösliche, gelbildende Ballaststoffe

Kleie:
überwiegend unlösliche Ballaststoffe

Bei Reizdarm ist dieser Unterschied wichtig. Kleie kann zwar das Stuhlvolumen erhöhen, sie wird aber von vielen Reizdarm-Patienten schlechter vertragen. Häufige Probleme sind Blähungen, Völlegefühl und Bauchschmerzen.

Flohsamenschalen sind meist besser verträglich, weil sie im Darm eine weiche Gelmasse bilden und weniger mechanisch reizen. Auch die American College of Gastroenterology-Leitlinie empfiehlt lösliche, aber nicht unlösliche Ballaststoffe zur Behandlung allgemeiner Reizdarmbeschwerden. (Lippincott Journals)


Was ist das Reizdarmsyndrom?

Das Reizdarmsyndrom ist eine funktionelle Darmerkrankung. Das bedeutet: Die Beschwerden sind echt, auch wenn bei Untersuchungen oft keine eindeutige organische Ursache gefunden wird.

Typische Beschwerden sind:

  • Bauchschmerzen,

  • Blähungen,

  • Durchfall,

  • Verstopfung,

  • wechselnder Stuhlgang,

  • Druckgefühl im Bauch,

  • das Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung.

Früher wurde Reizdarm häufig als rein psychisches Problem abgetan. Heute weiß man, dass das zu kurz greift. Reizdarm entsteht wahrscheinlich durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren.

Dazu gehören unter anderem:

  • eine empfindlichere Darmwahrnehmung,

  • veränderte Darmbewegungen,

  • Stress und emotionale Belastung,

  • frühere Magen-Darm-Infekte,

  • Veränderungen der Darmflora,

  • Ernährung und individuelle Unverträglichkeiten,

  • die Kommunikation zwischen Darm und Gehirn.

Reizdarm ist also keine eingebildete Krankheit. Stress, Angst oder Nervosität können die Beschwerden aber verstärken, weil Darm und Nervensystem eng miteinander verbunden sind.


Wie entstehen Durchfall und Verstopfung?

Durchfall

Durchfall ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom. Medizinisch spricht man meist dann von Durchfall, wenn mehrmals täglich sehr weicher oder flüssiger Stuhl auftritt.

Mögliche Ursachen sind:

  • Infektionen,

  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten,

  • Reizdarmsyndrom,

  • Stressreaktionen,

  • Medikamente,

  • entzündliche Darmerkrankungen.

Beim Reizdarm entsteht Durchfall häufig nicht durch eine Infektion, sondern durch eine gestörte Regulation der Darmbewegung und eine erhöhte Empfindlichkeit des Darms.

Flohsamenschalen können hier helfen, indem sie überschüssiges Wasser binden und den Stuhl stabilisieren.


Verstopfung

Bei Verstopfung wird der Stuhl zu langsam durch den Darm transportiert. Je länger er im Dickdarm bleibt, desto mehr Wasser wird ihm entzogen. Dadurch wird der Stuhl härter und trockener.

Mögliche Folgen sind:

  • seltenere Stuhlgänge,

  • harter Stuhl,

  • starkes Pressen,

  • Bauchdruck,

  • Völlegefühl,

  • das Gefühl, nicht vollständig entleert zu sein.

Flohsamenschalen können den Stuhl weicher machen und gleichzeitig das Volumen erhöhen. Dadurch wird der Weitertransport im Darm unterstützt.


Einnahme von Flohsamenschalen

Flohsamenschalen sollten immer mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen werden.

Wichtig bei der Einnahme:

  • Flohsamenschalen in Wasser einrühren.

  • Zügig trinken, bevor die Mischung zu stark geliert.

  • Danach ein weiteres Glas Wasser trinken.

  • Nicht trocken einnehmen.

  • Nicht direkt vor dem Schlafengehen einnehmen.

  • Mit einer niedrigen Dosis beginnen und langsam steigern.

Gerade bei Reizdarm ist ein langsamer Einstieg sinnvoll. Wer zu schnell zu viel nimmt, kann zunächst mehr Blähungen oder Völlegefühl bekommen.


Mögliche Dosierung

Die passende Dosierung hängt von den Beschwerden und der Verträglichkeit ab.

Ein sinnvoller Einstieg kann zum Beispiel sein:

Start:
1 Teelöffel Flohsamenschalen pro Tag mit viel Wasser

Bei guter Verträglichkeit:
langsam auf 2 Einnahmen pro Tag steigern

Wichtig:
Nicht die Menge ist entscheidend, sondern die Kombination aus richtiger Dosierung, ausreichend Flüssigkeit und guter Verträglichkeit.

Wer Medikamente einnimmt, sollte Flohsamenschalen zeitlich versetzt einnehmen, da Ballaststoffe die Aufnahme mancher Wirkstoffe beeinflussen können.


Wann sollte man vorsichtig sein?

Flohsamenschalen sind für viele Menschen gut verträglich. Trotzdem sind sie nicht für jede Situation geeignet.

Ärztlich abgeklärt werden sollten Beschwerden wie:

  • Blut im Stuhl,

  • ungewollter Gewichtsverlust,

  • Fieber,

  • starke oder neu auftretende Bauchschmerzen,

  • nächtlicher Durchfall,

  • anhaltende Verstopfung,

  • plötzliche Veränderung des Stuhlgangs,

  • Schluckbeschwerden,

  • Verdacht auf Darmverschluss.

Auch bei chronischen Erkrankungen, Schwangerschaft, Stillzeit oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme ist eine Rücksprache mit Arzt oder Apotheke sinnvoll.


Zusammenfassung

Flohsamenschalen können beim Reizdarmsyndrom helfen, weil sie Wasser binden und im Darm eine gelartige Masse bilden. Dadurch können sie sowohl bei weichem Stuhl als auch bei hartem Stuhl regulierend wirken.

Bei Durchfall:
Sie binden überschüssiges Wasser und machen den Stuhl fester.

Bei Verstopfung:
Sie halten Wasser im Stuhl, erhöhen das Stuhlvolumen und erleichtern die Darmentleerung.

Bei Reizdarm:
Sie können helfen, die Stuhlkonsistenz zu stabilisieren und Beschwerden zu lindern.

Wissenschaftlich wichtig ist vor allem der Unterschied zwischen löslichen und unlöslichen Ballaststoffen. Flohsamenschalen gehören zu den löslichen Ballaststoffen und werden bei Reizdarm meist besser vertragen als Kleie.